Über das Projekt

Das SiSKIN Applied Konzept

Bei dem SiSKIN Applied Konzept geht es um die Aufrechterhaltung der lokalen Stromversorgung im Falle eines Blackouts durch die Bildung von Inselnetzen, an denen nach und nach verschiedene Kritische Infrastrukturen (KRITIS) angeschlossen werden sollen.

Im Normalbetrieb liegt ein Übertragungsnetz vor und dahinter das Verteilnetz mit den verschiedenen Kritischen Infrastrukturen und Erzeugungsanlagen. Im optimalen Fall sind zudem schwarzstartfähige Anlagen vorhanden, welche ohne externe Stromversorgung auch in einem Blackout in Betrieb gehen können. Ein besonderer Bestandteil des SiSKIN Applied Projekts ist nun auch die Erforschung, wie Erneuerbare Energien und moderne Speichertechnologien in den Aufbau der Inselnetze im Falle eines großflächigen Stromausfalls integriert werden können.

Kommt es nun zu einem Blackout, wird nach Absprache, falls diese möglich ist, zwischen den Verteilnetzbetreibern (VNB) und Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) besprochen, ob das SiSKIN-Konzept angewendet werden kann. Stehen unter Umständen andere Nachbarnetze noch unter Spannung, von denen das Netz wieder aufgebaut werden kann? Anderenfalls kann das SiSKIN-Konzept greifen. Dieses ist ein Bottom-Up-Konzept, bei dem versucht wird, mit den vorhandenen (schwarzstartfähigen) Kraftwerken und Netzbildnern ein Inselnetz aufzubauen, um somit Schritt für Schritt verschiedene priorisierte KRITIS mit Strom zu versorgen. Je größer das Inselnetz und je mehr Erzeuger hinzugefügt werden können, desto mehr Kritische Infrastrukturen können an das Netz angeschlossen werden. Durch volatile Einspeisung aus beispielsweise Photovoltaik oder Windenergie kann das Netz auch zeitweise vergrößert werden. Fällt diese wiederum weg, weil zu wenig Sonne scheint oder zu wenig Wind weht, werden notfalls wieder Lasten aus dem Netz genommen und das Inselnetz verkleinert.

Ist das überlagerte Netz wieder in Betrieb, wird versucht, das Inselnetz mit diesem wieder zu synchronisieren.

Aufbau sowie schrittweise Vergrößerung und Verkleinerung des Inselnetzes

Ziel und Durchführung

Das Konzept wird auf verschiedene Verteilnetzbetreiber angewendet und ein Leitfaden entwickelt, der weitere Verteilnetzbetreiber bei der Vorbereitung auf einen Blackout unterstützt. Darüber hinaus erfolgen Versuche im Smart Grid Labor und im Feldtest mit besonderem Fokus auf erneuerbaren Energien und modernen Speichertechnologien.

Durch diesen Ansatz soll die Abhängigkeit heutiger Notfall- und Krisenbewältigungskonzepte bei einem großflächigen Stromausfall von dem Einsatz mobiler Notstromaggregate verringert werden.

Projekttreffen

Am 12. Mai 2025 fand der Kickoff von „SiSKIN Applied: Großflächiger Stromausfall – Möglichkeiten zur Teilversorgung von kritischen Infrastrukturen“ am Campus Freudenberg der Bergischen Universität Wuppertal statt. Hier trafen sich die verschiedenen Projektpartner sowie die assoziierten Partner zu einem ersten gemeinsamen Austausch.

Im April 2026 wurde sich beim ersten Jahrestreffen von SiSKIN Applied intensiv über das vergangene Jahr und die bereits erreichten Ergebnisse mit einigen assoziierten Partnern ausgetauscht. 

Neben der Neuvorstellung von zwei assoziierten Partnern ging es außerdem darum, einen Raum zu schaffen, in dem sich die assoziierten Partner untereinander austauschen und vernetzen können. So wurde beispielsweise vorgestellt, wie das SiSKIN Applied Konzept in der Praxis bei einigen Verteilnetzbetreibern umgesetzt werden könnte und wie weit die Verteilnetzbetreiber bereits in der Planung sind.


Arbeitsschritte

Seit Dezember 2025 wurden sieben Blackout Vorbereitungsworkshops bei unseren assoziierten Partnern durchgeführt. Besucht haben wir die WSW Netz, Energieversorgung Leverkusen, Stadtwerke Bochum Netz, Stadtwerke Iserlohn, AggerEnergie, Wesernetz und SWW Wunsiedel.

Wer ist durch das Projekt SiSKIN Applied betroffen? Welche Akteure sollten im Projekt und auch im späteren Leitfaden mit beachtet werden? Um diese verschiedenen Akteure zu identifizieren, wird im Laufe des Projekts eine Stakeholderanalyse durchgeführt. Ziel ist es, die verschiedenen Akteure umfassend zu ermitteln und die Zusammenwirkungen dieser im Projekt herauszufinden.

Insgesamt wurden im Laufe des Projekts 15 Experteninterviews mit verschiedenen Akteuren, wie beispielsweise Kritischen Infrastrukturen, BürgerInnen und Branchen durchgeführt.

Beispielhaftes Stakeholdernetz

Blackout Vorbereitungsworkshops

Inhaltlich ging es in den Blackout Vorbereitungsworkshops darum, den Status Quo der Verteilnetzbetreiber zu erfahren. Wie sind diese strukturell und organisatorisch aufgebaut, welche Stakeholder sind betroffen und wichtig zu beachten? Welche Prozesse bestehen bereits und wie kann das SiSKIN Konzept in diese integriert werden? Außerdem wurde besprochen, wie konkret ein Inselnetz mit den Gegebenheiten vor Ort aussehen könnte.

Ziel ist es, auf Grundlage der Workshop-Erkenntnisse einen Leitfaden für Verteilnetzbetreiber zu entwickeln. Dieser soll unteranderem aufzeigen, welche Prozesse bereits im Vorfeld als Vorbereitung auf einen Blackout etabliert werden können. Darüber hinaus wurden in den Workshops Hinweise und Best Practices vermittelt, die zu einer resilienten Aufstellung der VNB im Blackoutfall beitragen können. Diese Erkenntnisse sollen im Leitfaden für alle Verteilnetzbetreiber zur Verfügung gestellt werden, damit die Verteilnetzbetreiber voneinander lernen können.

In einigen Workshops wurde somit auch der bisherige Stand des Leitfadens, an dem aktuell kontinuierlich gearbeitet wird, gespiegelt. So konnten weitere Hinweise aus Sicht der Verteilnetzbetreiber gegeben werden, welche inhaltlichen Punkte für den Leitfaden noch relevant und interessant sind.